Erlebnisbericht – 2. ACT PRAXIS Tage 2016

2.APT-Wandbild

von Dr. Marie Christine Dekoj

Zum zweiten Mal treffen wir uns in zum Teil schon bekannter Runde auf einem abgelegenen Anwesen um gemeinsam zu lernen, uns auszutauschen und ACT zu leben. Dieses Mal sind wir in Unterfranken auf dem herrschaftlichen Anwesen Schloss Bettenburg – Holzvertäfelungen, Steinfußboden und eine Pfauenfamilie im Hof inklusive. Die ersten 1 ½ Tage finden 2 Workshops parallel statt. Maria Kensche und Martin Bonensteffen leiten einen ACT-Einführungsworkshop und Maarten Aalberse gibt eine Einführung in die Polyvagaltheorie nach Porges. Mit praktischen Übungen können wir an unseren eigenen Körpern ausprobieren, welche Wirkung Gesten und Körperhaltungen auf uns ausüben.

Dann wechseln wir in den Modus Open Space. Jeder kann Themen, konkrete Übungen, Mini-Workshops vorschlagen, aber auch Fragen und Anliegen werden gesammelt. Vertrauend auf die Kräfte der Selbstorganisation werden dann in einem bewährten Verfahren Interessensschwerpunkte gebildet und auf Zeitslots verteilt. So erarbeiten wir uns schließlich eine Art Fahrplan, welche Angebote es wann wo geben wird und jeder kann sich frei entscheiden, wo er teilnehmen möchte. In dieser Zeit wird ACT sehr greifbar und erlebbar: der gemeinsame Austausch, gemeinsam ins Tun kommen, selber entscheiden, was wichtig und wertvoll ist.

So kommen auch sehr viele verschiedene Ideen und Workshops zustande. Im Wissen, dass dies nur eine Auswahl darstellt und das eigentlich Wichtige die gemeinsame Arbeit, die Diskussion und das Gruppengefühl ist, sollen hier trotzdem einige Aspekte erwähnt werden: Ralf Steinkopf und Herbert Assaloni führen uns in das Thema ‚Scham in der Psychotherapie‘ ein. Sehr intensiv und kurzweilig, mit anschaulichen und erfahrensorientierten Übungen verdeutlichen wir uns, was ‚sich schämen‘ bedeutet. Jan Martz erläutert eine von ihm entwickelte Metapher, auf Grundlage des Buches „Inside this moment“. Herbert Assaloni zeigt uns einige Breema-Übungen. Außerdem diskutieren wir über Werte, Begrifflichkeiten in der ACT, tauschen uns über verschiedene Anwendungen der ACT-Matrix aus, …

Das Besondere der ACT PRAXIS Tage ist das gemeinsame Wohnen und Leben an einem eher abgeschiedenen Ort, so dass sich die Möglichkeit bietet, für 4 Tage bei sich und in der Gruppe zu sein, zu leben und erleben, zu wagen und in Sicherheit zu sein. Neue Dinge auszuprobieren, alte zu festigen. Den Tag gemeinsam mit Meditation oder Lach-Yoga oder einem Spaziergang zu beginnen. Oder auch nichts dergleichen zu tun, sondern einfach in Ruhe zu frühstücken. Die Abende klingen mit Wave-Dancing, Sauna-Besuch, Wein am Kamin und vielen Gesprächen aus. Nicht zu vergessen das Fest mit Tanzen, Malen (siehe unser Werk oben abgebildet) und angekommen sein. Dieses Bild verdeutlicht eigentlich ganz eindrücklich und ohne viele Worte das, worum es geht: Jeder ist einzigartig und in der Gemeinschaft kann miteinander, wenn man sich darauf einlässt, noch viel Einzigartigeres entstehen.

Die Tage vergehen wie im Flug und ehe wir uns versehen, ist der Sonntagmittag gekommen und die Heimfahrt naht. Schweren Herzens verabschieden wir uns aus dieser intensiven Zeit, mit einem weinenden Auge (da es traurig ist, die lieb gewonnene Gemeinschaft zu verlassen) und einem lachenden (da die Bereicherung unfassbar ist). Die Gewissheit, dass es eine erneute Auflage der ACT PRAXIS Tage geben wird, ist sehr beruhigend und macht Vorfreude.